Über was machen sich amerikanische 400m Trainer Gedanken?

April 29, 2020

 

Über was machen sich amerikanische 400m-Trainer Gedanken?

 

Deutsche Zusammenfassung von Christopher Montague

 

Die jetzige Zeit bietet spannende Webinare und Zoom Meetings zu allen möglichen Themen. Da man nicht immer Zugriff auf solche verpassten Weiterbildungsmöglichkeiten hat, soll in diesem Artikel die

 

Online Konferenz amerikanischer 400m Trainer zusammengefasst werden.

(Link zum kompletten Video: https://drive.google.com/file/d/1yoN4D8KAeKsdikxwTyJmwo8nKYOYUqNH/view)

 

Beiträge gab es von bekannten Gesichtern wie Andreas Behm (Sprints & Hurdles Coach bei Altis, Trainer von Aries Merritt), Harvey Glance (Head Coach University of Alabama, Trainer von Kirani James) und Ryan Banta (Autor von Sprinter’s Compendium).

 

Zu Beginn haben die Trainer in kurzen Worten präsentiert worauf es für sie im 400m Training ankommt. Folgende Empfehlungen wurden dabei genannt, wobei sich das Training meist auf Jugendliche bezieht, die bereits einen angemessenen Trainingszustand, Trainingsalter und biologisches Alter aufweisen:

  • Analysiere die Stärken deines Athleten und richte das Ziel der Rennstrategie danach aus und dementsprechend auch das Training, damit der Athlet diese Rennstrategie erfolgreich umsetzen kann. „Deine Vorliebe als Trainer für bestimmte Trainingsmethoden ist egal. Das was zählt ist die Physiologie des Athleten“. Es gibt kein Rezept für eine optimale Renneinteilung, manche müssen etwas schneller angehen, manche etwas langsamer.

 

  • Beschleunigungstechnik und Sprinttechnik der Maximalgeschwindigkeitsphase sind ausschlaggebend. Aber diese Technik sollte progressiv über längere Distanzen einem sogenannten Stress-Test unterzogen werden, um Aufschluss darüber zu haben, wie sich die Technik in einer solchen Situation verändert. Dadurch kann das Training individuell angepasst werden.

  • Wenn Trainer das Training so planen, dass Athleten beständig, die 200m Marke 2-3sec langsamer überqueren, als das vorgesehene Renntempo, dann ist es sehr schwierig für diese Athleten dieses vorgesehene Renntempo zu treffen.

  • Man sollte den Athleten daran gewöhnen, mit rennspezifischer Geschwindigkeit über eine längere Distanz zu sprinten.

  • Auf High School Ebene (U18 Altersklasse/1. Jahr U20 in Deutschland) ist es ratsam mehrere (Sprint-)Wettkämpfe an einem Wettkampftag/-wochenende zu bestreiten, um Erfahrung zu sammeln und die Kapazität zu entwickeln, bei einer Meisterschaft erfolgreich Vor-, Zwischen- und Endläufe zu bestreiten.

  • Staffeltraining ist eine super Möglichkeit Schnelligkeit zu entwickeln. Besonders für Jugendliche, deren Schnelligkeit nicht die größte Stärke ist, macht das gemeinsame Sprinttraining meist mehr Spaß und kann das Selbstbewusstsein fördern. 

  • Solange keine ausreichende Schnelligkeit und Sprinttechnik entwickelt wurde, sollte man die Gewichtung der Tempolauf und Schnelligkeitsausdauereinheiten deutlich reduzieren.

Was hat man davon wenn ein Athlet eine langsame Geschwindigkeit lange halten kann?

Die Kapazität der aeroben und anaeroben Leistungsfähigkeit lässt sich mit fortschreitendem Alter auch noch leicht trainieren währrend Adaptationen des Zentralen Nervensystems, das für Geschwindigkeit verantwortlich ist, limitierter stattfinden.

Außerdem wird durch langsame Wiederholungen eine ineffiziente Sprinttechnik in jungen Jahren antrainiert, deren Verbesserung im späteren Trainingsalter ein massiver Aufwand gewidmet werden müsste.

  • Ein weiterer Punkt bezog sich auf die Schnelligkeitsreserve. Diese besagt, dass, je höher die Maximal-Geschwindigkeit ist, desto höher auch die submaximale Geschwindigkeit ist, die ein Athlet laufen kann. So wird beispielsweise ein 11 m/s Sprinter bei einer Geschwindigkeit von 10 m/s weniger stark ermüden als ein 10,5 m/s Sprinter.

  • Sobald eine gute Sprinttechnik und Geschwindigkeit entwickelt worden sind, macht es Sinn, diese Schnelligkeit über eine längere Distanz erhalten zu können und Methoden mit dem Ziel der Verbesserung anaeroben Glykolyse, Laktattoleranz sowie aerober Energiebereitstellung sollten nicht vernachlässigt werden.

  • Logisch aber oft missachtet ist der Fakt, dass, wenn man die 2. Rennhälfte trainieren möchte, die Zeiten und Geschwindigkeiten sich nahe der Zielzeit befinden, die der Athlet im Wettkampf laufen soll.

  • Wenn man ängstlichere Athleten an die längere Distanz heranführen möchte, sind Splitläufe mit kurzen Pausen sinnvoll.

  • Tempolaufeinheiten sollten speziell im Jugendalter und bei einer größeren Gruppe auf einer Bandbreite geplant werden, um auf individuelle Leistungs- und Tageszustände eingehen zu können.

 

  • Junge 400m Sprinter sollten zu Beginn eine gute Rennstrategie verfolgen, um Erfolgserlebnisse zu sammeln. Daraufhin sollte der Athlet viele Risiken eingehen dürfen und dazu ermutigt werden, schneller anzugehen als er gewohnt ist, um mutig zu werden und die Willensstärke zu entwickeln, die es benötigt ein guter 400m Sprinter zu werden.

 

Ich hoffe diese Empfehlungen konnten zum Nachdenken anregen und führen zu einem sinnvoll-strukturiertem Training für eure 400m Sprinter.

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Empfohlene Einträge

Studium in Ausland? Martin Knauer gibt einen Einblick

October 11, 2017

1/4
Please reload

Aktuelle Einträge
Please reload

Archiv
Please reload

Schlagwörter
Folgen Sie uns!
  • Facebook Basic Square
  • Twitter Basic Square
  • Google+ Basic Square

Leichtathletik München e.V.

Förderverein für die Leichtathletik in München

© 2023 Leichtathletik - München e.V.
 

Sieboldstraße 4

81669 München

Email: leichtathletikmuenchen@gmail.com